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Biomedizin oder Biochemie? Hilfe! - Seite 2
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scheng



Anmeldungsdatum: 16.06.2006
Beiträge: 159

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2009 10:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fasse zusammen: Ihr habt keine Statistik gefunden.

Warum Ärzte ins Ausland wechseln, ist bekannt: mehr Geld bei weniger Arbeit. Der Weg ins Ausland steht natürlich Biologen genauso offen und steht hier gar nicht zur Debatte. Daß wir zu viele Ärzte haben und dies auch ein Problem ist/wird, ist mir sicher klarer als Euch, aber es hat vorwiegend ganz andere Konsequenzen als Arbeitslosigkeit unter den Medizinern, nämlich steigende Kosten im Gesundheitswesen.

Wieviele Stellenangebote bei nature.com stehen, ermöglicht keinen Eindruck für die Realität.

Ich habe dann noch mal "Arbeitslosigkeit" und Biologie" eingegeben und etwas gesucht. Neben Belanglosigkeiten fand ich zwei schöne Forenseiten (schwöre, daß kein Beitrag von mir stammt, obwohl sie zum Teil 1:1 meine Meinung abgeben; auch der Pharmareferent als typischer Arbeitsplatz des Biologen taucht auf):

www.unicum.de/community/uniforum/biologie/22606-arbeitsmarkt-fuer-biologen.html

www.studis-online.de/Fragen-Brett/read.php?11,564413

Endlich aber erschien eine Seite, die Zahlen mit sich brachte. Die Seite sollte man mal aufmerksam lesen. Zwar steht immer wieder etwas dort von rosigen Zeiten, aber die bittere Realität kommt auch zur Darstellung.

www.uni-due.de/isa/fg_naturwiss/biologie/biologie_am_frm.htm

Wenn nur 50% eine Stelle in der Biologie gefunden haben, ist das nicht rosig.

Natürlich heißt das nicht, daß niemand Biologie studieren soll. Sicher ist das das richtige Studium, wenn Biologie die beherrschende Leidenschaft ist. Wer aber fragt (und Alternativen hat!), der zweifelt. Und der darf keine Biologie studieren.

Auch in Orchideenfächern gibt es Arbeitsplätze. Zwei Klassenkameraden studierten Geschichte: beide arbeiten als Historiker (und nicht als Lehrer). Der Bruder eines Freundes ist Tibetologe. Nur darf man solche Abenteuer nur auf sich nehmen, wenn man nicht an seiner Wahl zweifelt. Deine (Kullerbirne) "hochmotivierten" Studenten haben nichts an einer Hochschule zu suchen, und es würde mich wundern, wenn sie den Abschluß schaffen.

Es ist Eure Pflicht, vom Biologie-Studium abzuraten. Nur wer sich davon nicht beeindrucken lässt, studiert es mit ausreichender Leidenschaft und hat dann auch eine Chance, eine attraktive Stelle zu bekommen.

Oder er/sie ist beratungsresistent (wie meine Schwägerin); aber dann ist eh Hopfen und Malz verloren.



Scheng


Zuletzt bearbeitet von scheng am 19. Sep 2009 12:39, insgesamt einmal bearbeitet
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PaGe
Moderator


Anmeldungsdatum: 19.03.2007
Beiträge: 1303
Wohnort: Bremen

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2009 10:37    Titel: Antworten mit Zitat

scheng hat Folgendes geschrieben:
Daß wir zu viele Ärzte haben und dies auch ein Problem ist/wird, ist mir sicher klarer als Euch, aber es hat vorwiegend ganz andere Konsequenzen als Arbeitslosigkeit unter den Medizinern, nämlich steigende Kosten im Gesundheitswesen.

Ob das auf Dauer noch so weiter geht? Wir könnten auch sagen, das ökologische Probleme einen immer größeren Stellenwert einnehmen und trotzdem gibt es nicht immer mehr Geld. Deine Aussage legt eine Haltung "der Ärzte" an den Tag, die von vielen Leuten in der Bevölkerung sehr kritisch gesehen wird. Nur weil es immer mehr Ärzte (insbesondere Fachärzte) gibt, müsssen die Kosten nicht steigen, solange die Bevölkerung nicht kränker wird. Man wirft "den Ärzten" mittlerweile ja auch schon vor, dass sie ihre Geräte "sinnlos" benutzen, damit sie ihre teuren Geräte abbezahlen können. Das Problem wird durch mehr Fachpraxen nur verstärkt, da es dann immer mehr Geräte gibt, die immer mehr nur rumstehen, weil die Anzahl der Leute, die eine Krankheit haben, die der Benutzung dieser Geräte bedarf, nicht im gleichen Maße steigt.
Wenn die Steigerung der Kosten für das Gesundheitssystem in den nächsten Jahren so weitergeht, haben wir mE bald kein funktionierendes Gesundheitssystem mehr, da irgendwann niemand mehr bereit ist 20% vom Lohn nur für die Krankenkasse auszugeben. Die Lobby der Ärzte ist stark, aber es wird mE der Punkt kommen, an dem die Politik dann einlenken muss und entweder die gesetzliche Krankenkasse in der Form abschafft (-> USA-Verhältnisse ->? Arbeibslosigkeit) oder noch stärker budgetiert (-> weniger Geld für Ärzte -> mehr Arbeitslosigkeit). Bedauerlich ist nur, dass die Allgemeinmediziner darunter (schon jetzt) am meisten leiden, obwohl sie mE die wichtigsten Mediziner sind.

scheng hat Folgendes geschrieben:
Es ist Eure Pflicht, vom Biologie-Studium abzuraten. Nur wer sich davon nicht beeindrucken lässt, studiert es mit ausreichender Leidenschaft und hat dann auch eine Chance, eine attraktive Stelle zu bekommen.

1. Ist das nicht unsere Pflicht.
2. Hat jeder Job auch seine Schattenseiten, die zur Arbeitslosigkeit führen kann. Sei es Unzufriedenheit mit der Jobangeboten oder dem Fehlen von Angeboten.
3. Müsste man dann von fast allen Studiengängen abraten. Keine Bio, wenig Chemie, wenig Physik, Sprachen streichen wir ganz, Kunst und Musik braucht man auch nicht (Geht man doch zu den Popstars Augenrollen), Gesellschaftliche Fächer sind auch nutzlos. BWL, Juristen gibt es auch wie Sand am mehr, müssen wir auch bedenken äußern, ...

Fast schon amüsant ist es, dass ich vor meinem Studium beim Arbeitsamt war und die mir davor abgeraten haben Lehramt zu studieren. Dass war vor etwa 10 Jahren. Seid wann gibt es einen Lehrermangel grübelnd Seid etwa 4 Jahren. 6 Jahre dauert Studium+Referendariat mindestens. Noch Fragen?
BTW: Ich habe auch ein Diplom in Bio. Nicht dass man mir gleich vorwirft, dass ich das Biostudium und keine richtigen Biologen kenne.

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scheng



Anmeldungsdatum: 16.06.2006
Beiträge: 159

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2009 12:54    Titel: Antworten mit Zitat

Die Anzahl der Ärzte ist ein wichtiger Kostenfaktor im Gesundheitswesen. Einen Königsweg, die Kosten der Medizin zu beschränken, gibt es nicht; ich kenne allenfalls einige Stellschrauben, mit denen man etwas verändern könnte. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Zu den Berufsaussichten: es zählen Wahrscheinlichkeiten, keine Sicherheiten. Die Arbeitslosigkeit der Akademiker ist geringer als die der Bevölkerung; daher braucht man niemandem vom Studium generell abzuraten.

Für einen Erfolg im Berufsleben ist neben Begabung besonders die Leidenschaft fürs Fach wichtig. Wenn die fehlt, sollte man zu einem "Brotstudium" (frei nach Schiller) raten. Pointiert ausgedrückt führt das zur "Pflicht, von Biologie abzuraten", damit nur die Geeigneten das Fach wählen. Reinen Wein einschenken soll man, keine blühenden Landschaften versprechen.

Natürlich sind (Berufs)Prognosen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Scheng
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kwulfe



Anmeldungsdatum: 25.08.2005
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2009 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

Also, ich habe mein Diplom in Biochemie gemacht und schreibe gerade meine Doktorarbeit in pflanzlicher Biochemie zusammen.
Durch meine eigenen Erfahrungen an der Uni und meine vielen Kontakte zu anderen promovierten Biologen, weiß ich, dass die Aussichten für promovierte Biologen auch außerhalb der Uni nicht so ganz schlecht sind.
In der industriellen Forschung werden ständig viele Biologen gebraucht. Ob das nun eigentlich Biochemiker sind oder Molekularbiololgen, interessiert nicht die Bohne. Entscheidend ist, was man drauf hat. D. h., womit habe ich thematisch promoviert und vor allem, was für Methoden berherrsche ich. Wenn man dann noch ein paar Publikationen machen konnte, perfekt.
Wenn man im medizinischen Bereich forscht, ist es aber in der Regel so, dass die Professorenstellen von Medizinern besetzt. Die Naturwissenschaftler sind oft nur die Zuarbeiter. Also, wenn man in der biomedizinischen Forschung eine Professur anstrebt, dann ist der Dr. med fast zwingend. Gibt nur wenige Naturwissenschaftler, die eine Professur an einer medizinischen Fakultät inne haben.

Aber auch außerhalb der Forschung gibt es zahlreiche Stellen. Man muß sich einfach informieren. Biologen usw. arbeiten in diversen Bereichen. Ein ehemaliger Kommilitone von mir arbeitet z.B. in einer Unternehmensberatung. Viele Biologen arbeiten auch im Projektmanagement oder für Geldgeber wie die DFG oder für Bundesanstalten usw. usw. usw.
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PaGe
Moderator


Anmeldungsdatum: 19.03.2007
Beiträge: 1303
Wohnort: Bremen

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2009 13:57    Titel: Antworten mit Zitat

Akademiker sind seltener arbeitslos, aber nicht wenige der Akademiker arbeiten in einem Bereich, der nur noch grenzwertig etwas mit ihrem Studium zu hat. Dann ist es schon fast egal, was man studiert hat. Das wissenschaftliche Arbeiten und Denken sowie der akdemische Grad (Qualifikations"gehabe") spielt da mE eine große Rolle.

Zu den Berufsaussichten:
Zur Zeit bekommst du als Arzt eher ein Job als ein Biologe. Ob das in 10 Jahren immer noch so ist, weiß niemand. Man kann es Schweinezyklus-mäßig betrachten, dann müsste man davor abraten Medizin zu studieren, da es jetzt schon sehr viele machen. Wenn man auf die alternde Gesellschaft und die Grenzenlosigkeit des Gesundheitssystems glaubt, dann ist Medizin natürlich gut.
Für Biologie kann man es genau umgelehrt formulieren.
Wo sind nun in 5-10 Jahren die Jobchancen besser?

Daher sollte man mE jemandem genug Informationen geben, damit er selber eine Entscheidung treffen kann und nach Möglichkeit keine Empfehlung aussprechen. Jeder muss entscheiden, was ihm mehr liegt und was ihn in Zukunft glücklich macht. Dafür braucht man:
1. Informationen über die Arbeitsmöglichkeiten mit dem Abschluss
2. Informationen über das aktuelle Jobangebot
3. Infos über die Jobbedingungen
4. evtl. bereits mögliche Arbeitgeber
5. Soweit möglich: Infos zur Zukunft des Bereichs.
=> Man sucht sich, dass aus, was einem am meisten Erfolg und/oder Glück verspricht. Und dabei möchte ich betonen, dass man die Zufriedenheit eine große Rolle spielt. Ärzte, die >70 Stunden/Woche arbeiten, haben wenig Familienleben und sind trotz Job und relativ viel Geld nicht unbedingt glücklich.

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